Zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a lässt sich die Banklösung in Wertschriften fast immer am einfachsten konform gestalten. Sie lässt die Wahl der Anlageträger und damit die Möglichkeit, in gefilterte Fonds zu investieren, ohne garantierten Zins und ohne vertragliche Unwägbarkeit. Die 3a-Lebensversicherungspolice hingegen vereint einen technischen Zins, ein ausgeprägtes Gharar und Obligationenreserven — drei Hindernisse, die sich nach der Unterzeichnung nur schwer beseitigen lassen. Der steuerliche Rahmen ist in beiden Fällen strikt identisch.
Es ist die erste Entscheidung, die man beim Aufbau einer Vorsorge in der Schweiz trifft, und oft jene, die am schnellsten fällt: am Schalter einer Bank oder gegenüber einem Berater, der eine Police anbietet. Dabei bindet die Wahl zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a über Jahrzehnte, und sie allein entscheidet darüber, ob sich Ihre Vorsorge mit der islamischen Ethik in Einklang bringen lässt — oder nicht.
Worin unterscheiden sich die beiden Lösungen?
Die Säule 3a ist ein gesetzlicher Rahmen, kein Produkt. Dieser Rahmen — festgelegt durch die Verordnung BVV 3 (SR 831.461.3) — bestimmt, wer einzahlen darf, wie viel und wann das Kapital bezogen werden kann. Innerhalb dieses Rahmens dürfen zwei Arten von Instituten einen Vertrag eröffnen: die Bankvorsorgestiftungen und die Versicherungsgesellschaften.
Der Unterschied lässt sich in einem Satz sagen: Die Bank verwaltet ein Sparguthaben, die Versicherung einen Deckungsvertrag. Im ersten Fall zahlen Sie ein, was Sie wollen, wann Sie wollen, und das Kapital gehört jederzeit vollständig Ihnen. Im zweiten verpflichten Sie sich für eine bestimmte Dauer zu einer Jahresprämie, im Gegenzug für Garantien bei Tod oder Erwerbsunfähigkeit.
Was steckt wirklich in einer Bank-Säule-3a?
Eine Bank-Säule-3a gibt es ihrerseits in zwei Formen, und die Unterscheidung ist für die Konformität entscheidend.
Das verzinste 3a-Konto
Das ist die Standardlösung, jene, die man in zehn Minuten eröffnet. Das Kapital liegt auf einem Konto, das einen Zinssatz vergütet — historisch tief, oft unter der Inflation. Dieser Satz ist genau das, was das islamische Finanzwesen als Riba bezeichnet: ein Überschuss auf ein Kapital, ohne reale Gegenleistung und ohne Risikoübernahme. Diese Form ist damit von ihrer Konstruktion her nicht konform, unabhängig von der Höhe des Satzes. Wir beschreiben diesen Mechanismus im Einzelnen in unserem Ratgeber zum Investieren ohne Riba.
Die Säule 3a in Wertschriften
Hier werden die Einzahlungen in einen oder mehrere Anlagefonds investiert. Die Rendite stammt nicht mehr aus einem Zins, sondern aus der Entwicklung der gehaltenen Vermögenswerte — also aus einer realen Risikoübernahme. Das ist der richtige Rahmen. Bleibt der Inhalt: Die standardmässig angebotenen Vorsorgefonds halten Obligationen, konventionelle Banken und Gesellschaften, deren Verschuldung die zulässigen Schwellen deutlich überschreitet. Der Träger ist konform, das Portfolio ist es nicht — und genau das lässt sich korrigieren, indem man gefilterte Fonds wählt.
Eine Bank-Säule-3a in Wertschriften ist nicht konform, weil sie bei einer Bank liegt. Sie wird konform, weil sie die Wahl der Fonds erlaubt. Das ist eine Freiheit, keine Garantie: Ohne ausdrückliche Filterung der Anlageträger bleibt eine Standard-Wertschriften-3a ebenso problematisch wie ein verzinstes Konto.
Was steckt wirklich in einer 3a-Versicherungspolice?
Eine 3a-Lebensversicherungspolice mischt drei Dinge in einem einzigen Vertrag: ein Sparguthaben, eine Risikodeckung und Kosten. Diese Verflechtung macht die Lösung zugleich verlockend — «alles auf einen Schlag geregelt» — und schwer zu beurteilen.
Drei Elemente sind aus Sicht der islamischen Ethik problematisch:
- Der technische Zins. Der garantierte Teil des Vertrags wird zu einem bei der Unterzeichnung festgelegten festen Satz verzinst. Das ist ein vertraglicher Zins, also Riba.
- Die vertragliche Unwägbarkeit (Gharar). Das Verhältnis zwischen dem, was Sie einzahlen, und dem, was Sie erhalten, hängt von einem ungewissen Ereignis ab. Bei einer frühen Kündigung erhält man deutlich weniger zurück als die einbezahlten Prämien; bei frühem Tod deutlich mehr. Diese Asymmetrie steht im Zentrum des Vorbehalts, den die Standards der AAOIFI, Norm Nr. 26 zur islamischen Versicherung, formulieren.
- Die Anlage der Reserven. Die Deckungsreserven der Schweizer Versicherer sind mehrheitlich in Staats- und Unternehmensobligationen investiert — also in zinstragende Instrumente.
Das im islamischen Finanzwesen anerkannte Modell heisst Takaful: eine Solidargemeinschaft, in der die Teilnehmenden einen als Spende bezeichneten Beitrag (Tabarru') in einen gemeinsamen Fonds einzahlen, der getrennt von den Mitteln des Betreibers verwaltet wird. Bis heute gibt es kein in der Schweiz errichtetes und beaufsichtigtes Takaful-Produkt der Säule 3a. Das klar zu sagen ist besser, als den gegenteiligen Eindruck entstehen zu lassen.
Vergleich: Säule 3a, Bank oder Versicherung
Die folgende Tabelle vergleicht die beiden Lösungen anhand der Punkte, die wirklich entscheiden, auch unter dem Blickwinkel der Konformität.
| Kriterium | Bank-3a (Wertschriften) | 3a-Versicherung |
|---|---|---|
| Wahl der Anlageträger | Frei: Möglichkeit, gefilterte Fonds auszuwählen Konform machbar | Von der Gesellschaft vorgegeben, Obligationenreserven Blockierend |
| Garantierter Zins | Keiner: Die Rendite stammt aus den gehaltenen Vermögenswerten | Vertraglicher technischer Zins auf dem garantierten Teil |
| Flexibilität der Einzahlungen | Jedes Jahr frei, auch null | Über die Vertragsdauer verpflichtende Jahresprämie |
| Vorzeitiger Ausstieg | Übertrag auf eine andere Stiftung, ohne Verlust | Rückkaufswert in den ersten Jahren oft tiefer als die Prämien |
| Todesfall- / Invaliditätsdeckung | Keine, separat abzuschliessen | Im Vertrag enthalten |
| Kosten | Verwaltungskosten des Fonds, sichtbar und vergleichbar | Vertrags- und Vertriebskosten, in der Prämie verflochten |
| Steuerabzug | Identisch — bis zu 7'258 CHF (BVG-versicherte angestellte Person) | Identisch — bis zu 7'258 CHF (BVG-versicherte angestellte Person) |
Einen Vertrag selbst lesen
Allgemeine Bedingungen, tatsächlich gehaltene Anlageträger, zu Vertragsbeginn amortisierte Abschlusskosten: Das sind Dokumente, die sich lesen lassen. Die Ausbildung von ALG Club bringt Ihnen bei, sie zu lesen und die richtigen Fragen zu stellen. Ein erstes unverbindliches Gespräch, um das Programm kennenzulernen.
Die Ausbildung entdeckenWelche lässt sich am einfachsten konform gestalten?
Die Antwort ist eindeutig: die Bank-Säule-3a in Wertschriften. Nicht weil sie an sich «halal» wäre, sondern weil sie die einzige Freiheit lässt, die zählt — jene, zu wählen, worin das Geld investiert wird. Ist diese Freiheit gewonnen, besteht die Herstellung der Konformität darin, die Fonds nach überprüfbaren Kriterien zu filtern und diese Filterung über die Zeit zu kontrollieren.
Die massgebenden Kriterien sind jene der AAOIFI: zuerst der Branchenausschluss, danach drei Finanzkennzahlen — zinstragende Schulden unter 33 % der Kapitalisierung, zinstragende liquide Mittel unter 33 %, nicht konforme Erträge unter 5 %. Ein Schweizer Standard-Vorsorgefonds scheitert meist schon an der ersten Kennzahl, weil er strukturell Obligationen hält. Unser Vergleich der Säule 3a verortet Ihren Fall in sechs Fragen.
Und die Todesfall- und Invaliditätsdeckung?
Das ist das Hauptargument der 3a-Policen, und es verdient, ernst genommen zu werden: Eine Familie mit einem einzigen Einkommen und einer Hypothek hat einen realen Schutzbedarf. Sparen und Deckung in einem einzigen Vertrag zu vermischen ist aber nicht die einzige Antwort darauf.
Die Alternative besteht darin, beides zu trennen: eine Bank-Säule-3a in Wertschriften für das Sparen und eine reine Risikoversicherung — ohne Sparkomponente — für die Todesfall- oder Invaliditätsdeckung. Diese Trennung macht jeden Baustein lesbar, vergleichbar und unabhängig kündbar. Sie beschränkt die Deckung zudem auf das Notwendige, was den Teil des Vertrags entsprechend verkleinert, der den Vorbehalten zur Frage des Gharar ausgesetzt ist.
Was tun, wenn Sie bereits eine Police unterzeichnet haben?
Kündigen Sie nichts, bevor Sie gerechnet haben. Eine in den ersten Jahren gekündigte 3a-Versicherungspolice gibt einen Rückkaufswert zurück, der oft weit unter den einbezahlten Prämien liegt, weil die Abschlusskosten zu Beginn des Vertrags amortisiert werden. Je nach Alter des Vertrags und Allgemeinen Bedingungen bestehen drei Wege: die Weiterführung, die Befreiung von der Prämienzahlung oder die Kündigung mit Übertrag des Rückkaufswerts auf eine Bankstiftung. Wir beschreiben jeden davon mit Zahlen in unserem Ratgeber zum Ausstieg aus einer nicht konformen Säule 3a.
Ein Punkt ändert sich nicht, welchen Weg Sie auch wählen: der Steuerabzug. Die Höchstbeträge der Säule 3a, veröffentlicht vom Bundesamt für Sozialversicherungen, sind bei Bank und Versicherung identisch — 7'258 Franken für eine einer Pensionskasse angeschlossene angestellte Person, höchstens 36'288 Franken für Selbstständigerwerbende ohne 2. Säule. Unser Rechner zur Steuerersparnis beziffert den jährlichen Gewinn je nach Kanton.
Anders gesagt: Die Wahl zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a kostet nie einen Rappen an Steuervorteil. Sie ändert nur, was im Vertrag steckt — also alles, was über seine Konformität entscheidet.