Säule 3a: Bank oder Versicherung — welche ist halal?

Vergleich der beiden Formen der Säule 3a · von Ahmed & Hassan Al Gizani
Die Antwort in Kürze

Zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a lässt sich die Banklösung in Wertschriften fast immer am einfachsten konform gestalten. Sie lässt die Wahl der Anlageträger und damit die Möglichkeit, in gefilterte Fonds zu investieren, ohne garantierten Zins und ohne vertragliche Unwägbarkeit. Die 3a-Lebensversicherungspolice hingegen vereint einen technischen Zins, ein ausgeprägtes Gharar und Obligationenreserven — drei Hindernisse, die sich nach der Unterzeichnung nur schwer beseitigen lassen. Der steuerliche Rahmen ist in beiden Fällen strikt identisch.

Es ist die erste Entscheidung, die man beim Aufbau einer Vorsorge in der Schweiz trifft, und oft jene, die am schnellsten fällt: am Schalter einer Bank oder gegenüber einem Berater, der eine Police anbietet. Dabei bindet die Wahl zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a über Jahrzehnte, und sie allein entscheidet darüber, ob sich Ihre Vorsorge mit der islamischen Ethik in Einklang bringen lässt — oder nicht.

Worin unterscheiden sich die beiden Lösungen?

Die Säule 3a ist ein gesetzlicher Rahmen, kein Produkt. Dieser Rahmen — festgelegt durch die Verordnung BVV 3 (SR 831.461.3) — bestimmt, wer einzahlen darf, wie viel und wann das Kapital bezogen werden kann. Innerhalb dieses Rahmens dürfen zwei Arten von Instituten einen Vertrag eröffnen: die Bankvorsorgestiftungen und die Versicherungsgesellschaften.

Der Unterschied lässt sich in einem Satz sagen: Die Bank verwaltet ein Sparguthaben, die Versicherung einen Deckungsvertrag. Im ersten Fall zahlen Sie ein, was Sie wollen, wann Sie wollen, und das Kapital gehört jederzeit vollständig Ihnen. Im zweiten verpflichten Sie sich für eine bestimmte Dauer zu einer Jahresprämie, im Gegenzug für Garantien bei Tod oder Erwerbsunfähigkeit.

Was steckt wirklich in einer Bank-Säule-3a?

Eine Bank-Säule-3a gibt es ihrerseits in zwei Formen, und die Unterscheidung ist für die Konformität entscheidend.

Das verzinste 3a-Konto

Das ist die Standardlösung, jene, die man in zehn Minuten eröffnet. Das Kapital liegt auf einem Konto, das einen Zinssatz vergütet — historisch tief, oft unter der Inflation. Dieser Satz ist genau das, was das islamische Finanzwesen als Riba bezeichnet: ein Überschuss auf ein Kapital, ohne reale Gegenleistung und ohne Risikoübernahme. Diese Form ist damit von ihrer Konstruktion her nicht konform, unabhängig von der Höhe des Satzes. Wir beschreiben diesen Mechanismus im Einzelnen in unserem Ratgeber zum Investieren ohne Riba.

Die Säule 3a in Wertschriften

Hier werden die Einzahlungen in einen oder mehrere Anlagefonds investiert. Die Rendite stammt nicht mehr aus einem Zins, sondern aus der Entwicklung der gehaltenen Vermögenswerte — also aus einer realen Risikoübernahme. Das ist der richtige Rahmen. Bleibt der Inhalt: Die standardmässig angebotenen Vorsorgefonds halten Obligationen, konventionelle Banken und Gesellschaften, deren Verschuldung die zulässigen Schwellen deutlich überschreitet. Der Träger ist konform, das Portfolio ist es nicht — und genau das lässt sich korrigieren, indem man gefilterte Fonds wählt.

Das Wesentliche

Eine Bank-Säule-3a in Wertschriften ist nicht konform, weil sie bei einer Bank liegt. Sie wird konform, weil sie die Wahl der Fonds erlaubt. Das ist eine Freiheit, keine Garantie: Ohne ausdrückliche Filterung der Anlageträger bleibt eine Standard-Wertschriften-3a ebenso problematisch wie ein verzinstes Konto.

Was steckt wirklich in einer 3a-Versicherungspolice?

Eine 3a-Lebensversicherungspolice mischt drei Dinge in einem einzigen Vertrag: ein Sparguthaben, eine Risikodeckung und Kosten. Diese Verflechtung macht die Lösung zugleich verlockend — «alles auf einen Schlag geregelt» — und schwer zu beurteilen.

Drei Elemente sind aus Sicht der islamischen Ethik problematisch:

Das im islamischen Finanzwesen anerkannte Modell heisst Takaful: eine Solidargemeinschaft, in der die Teilnehmenden einen als Spende bezeichneten Beitrag (Tabarru') in einen gemeinsamen Fonds einzahlen, der getrennt von den Mitteln des Betreibers verwaltet wird. Bis heute gibt es kein in der Schweiz errichtetes und beaufsichtigtes Takaful-Produkt der Säule 3a. Das klar zu sagen ist besser, als den gegenteiligen Eindruck entstehen zu lassen.

Vergleich: Säule 3a, Bank oder Versicherung

Die folgende Tabelle vergleicht die beiden Lösungen anhand der Punkte, die wirklich entscheiden, auch unter dem Blickwinkel der Konformität.

KriteriumBank-3a (Wertschriften)3a-Versicherung
Wahl der AnlageträgerFrei: Möglichkeit, gefilterte Fonds auszuwählen Konform machbarVon der Gesellschaft vorgegeben, Obligationenreserven Blockierend
Garantierter ZinsKeiner: Die Rendite stammt aus den gehaltenen VermögenswertenVertraglicher technischer Zins auf dem garantierten Teil
Flexibilität der EinzahlungenJedes Jahr frei, auch nullÜber die Vertragsdauer verpflichtende Jahresprämie
Vorzeitiger AusstiegÜbertrag auf eine andere Stiftung, ohne VerlustRückkaufswert in den ersten Jahren oft tiefer als die Prämien
Todesfall- / InvaliditätsdeckungKeine, separat abzuschliessenIm Vertrag enthalten
KostenVerwaltungskosten des Fonds, sichtbar und vergleichbarVertrags- und Vertriebskosten, in der Prämie verflochten
SteuerabzugIdentisch — bis zu 7'258 CHF (BVG-versicherte angestellte Person)Identisch — bis zu 7'258 CHF (BVG-versicherte angestellte Person)
Schema zum Vergleich der Säule 3a, Bank oder Versicherung: Die Bank-Säule-3a in Wertschriften erlaubt die Wahl konformer Fonds, das verzinste 3a-Konto vergütet einen Zins, die 3a-Versicherungspolice vereint technischen Zins, vertragliche Unwägbarkeit und Obligationenreserven.
Die drei Formen der Säule 3a und was ihre Konformität blockiert — oder eben nicht.

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Allgemeine Bedingungen, tatsächlich gehaltene Anlageträger, zu Vertragsbeginn amortisierte Abschlusskosten: Das sind Dokumente, die sich lesen lassen. Die Ausbildung von ALG Club bringt Ihnen bei, sie zu lesen und die richtigen Fragen zu stellen. Ein erstes unverbindliches Gespräch, um das Programm kennenzulernen.

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Welche lässt sich am einfachsten konform gestalten?

Die Antwort ist eindeutig: die Bank-Säule-3a in Wertschriften. Nicht weil sie an sich «halal» wäre, sondern weil sie die einzige Freiheit lässt, die zählt — jene, zu wählen, worin das Geld investiert wird. Ist diese Freiheit gewonnen, besteht die Herstellung der Konformität darin, die Fonds nach überprüfbaren Kriterien zu filtern und diese Filterung über die Zeit zu kontrollieren.

Die massgebenden Kriterien sind jene der AAOIFI: zuerst der Branchenausschluss, danach drei Finanzkennzahlen — zinstragende Schulden unter 33 % der Kapitalisierung, zinstragende liquide Mittel unter 33 %, nicht konforme Erträge unter 5 %. Ein Schweizer Standard-Vorsorgefonds scheitert meist schon an der ersten Kennzahl, weil er strukturell Obligationen hält. Unser Vergleich der Säule 3a verortet Ihren Fall in sechs Fragen.

Und die Todesfall- und Invaliditätsdeckung?

Das ist das Hauptargument der 3a-Policen, und es verdient, ernst genommen zu werden: Eine Familie mit einem einzigen Einkommen und einer Hypothek hat einen realen Schutzbedarf. Sparen und Deckung in einem einzigen Vertrag zu vermischen ist aber nicht die einzige Antwort darauf.

Die Alternative besteht darin, beides zu trennen: eine Bank-Säule-3a in Wertschriften für das Sparen und eine reine Risikoversicherung — ohne Sparkomponente — für die Todesfall- oder Invaliditätsdeckung. Diese Trennung macht jeden Baustein lesbar, vergleichbar und unabhängig kündbar. Sie beschränkt die Deckung zudem auf das Notwendige, was den Teil des Vertrags entsprechend verkleinert, der den Vorbehalten zur Frage des Gharar ausgesetzt ist.

Was tun, wenn Sie bereits eine Police unterzeichnet haben?

Kündigen Sie nichts, bevor Sie gerechnet haben. Eine in den ersten Jahren gekündigte 3a-Versicherungspolice gibt einen Rückkaufswert zurück, der oft weit unter den einbezahlten Prämien liegt, weil die Abschlusskosten zu Beginn des Vertrags amortisiert werden. Je nach Alter des Vertrags und Allgemeinen Bedingungen bestehen drei Wege: die Weiterführung, die Befreiung von der Prämienzahlung oder die Kündigung mit Übertrag des Rückkaufswerts auf eine Bankstiftung. Wir beschreiben jeden davon mit Zahlen in unserem Ratgeber zum Ausstieg aus einer nicht konformen Säule 3a.

Ein Punkt ändert sich nicht, welchen Weg Sie auch wählen: der Steuerabzug. Die Höchstbeträge der Säule 3a, veröffentlicht vom Bundesamt für Sozialversicherungen, sind bei Bank und Versicherung identisch — 7'258 Franken für eine einer Pensionskasse angeschlossene angestellte Person, höchstens 36'288 Franken für Selbstständigerwerbende ohne 2. Säule. Unser Rechner zur Steuerersparnis beziffert den jährlichen Gewinn je nach Kanton.

Anders gesagt: Die Wahl zwischen Bank und Versicherung bei der Säule 3a kostet nie einen Rappen an Steuervorteil. Sie ändert nur, was im Vertrag steckt — also alles, was über seine Konformität entscheidet.

Häufige Fragen

Für die allermeisten Situationen ist die Banklösung in Wertschriften vorzuziehen: Sie ist flexibler, kostengünstiger, jederzeit übertragbar und erlaubt vor allem die Wahl der Anlageträger. Die Versicherungspolice rechtfertigt sich nur, wenn eine Todesfall- oder Invaliditätsdeckung wirklich nötig ist — und dann ist es oft wirksamer, sie separat abzuschliessen, in Form einer reinen Risikoversicherung.

Nein. Ein verzinstes 3a-Konto vergütet einen Zins auf dem hinterlegten Kapital, was genau der Definition von Riba entspricht: ein Überschuss ohne reale Gegenleistung und ohne Risikoübernahme. Das Problem ist nicht die Säule 3a selbst, sondern der darin gewählte Anlageträger.

Eine konventionelle 3a-Lebensversicherungspolice vereint drei Probleme: einen garantierten technischen Zins, eine erhebliche vertragliche Unwägbarkeit zwischen den einbezahlten Prämien und der erhaltenen Leistung sowie Reserven, die mehrheitlich in Obligationen investiert sind. Das im islamischen Finanzwesen anerkannte Modell ist das Takaful, das auf Solidargemeinschaft und Spende beruht und zu dem es in der Schweiz bis heute kein beaufsichtigtes Gegenstück gibt.

Ja. Der Abzug hängt vom gesetzlichen Rahmen der Säule 3a ab und nicht von der gewählten Form: bis zu 7'258 Franken pro Jahr für eine einer Pensionskasse angeschlossene angestellte Person und bis zu 36'288 Franken für Selbstständigerwerbende ohne 2. Säule, begrenzt auf 20 % des Nettoeinkommens. Ob Bank oder Versicherung: Der Anspruch auf den Abzug ist identisch.

Ja, und es wird oft empfohlen. Das Kapital auf mehrere Verträge zu verteilen erlaubt es, die Bezüge über mehrere Steuerjahre zu staffeln und die Progression der Kapitalleistungssteuer zu senken. Der jährliche Abzug bleibt jedoch insgesamt begrenzt, über alle Verträge hinweg.

Man muss die tatsächliche Zusammensetzung des Fonds prüfen: Obligationenanteil, vertretene Branchen und Finanzkennzahlen der gehaltenen Gesellschaften. Die massgebenden Kriterien sind jene der AAOIFI — zinstragende Schulden unter 33 % der Kapitalisierung, zinstragende liquide Mittel unter 33 %, nicht konforme Erträge unter 5 %. Ein Schweizer Standard-Vorsorgefonds scheitert in der Regel am ersten Kriterium.

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