Dividenden reinigen heisst, den Teil Ihrer Dividenden wegzugeben, der den nicht konformen Erträgen des Unternehmens entspricht, meist Zinsen auf seinen flüssigen Mitteln. Für eine Aktie: erhaltene Dividende × Anteil der nicht konformen Erträge an den Gesamterträgen des Unternehmens. Für einen Halal-ETF: Dividenden des Fonds für Ihre Anteile × Reinigungsquote des Jahres, ausser der Fonds reinigt selbst. Der Betrag geht an ein Hilfswerk, ohne Gegenleistung für Sie.
Aktien und Halal-ETF durchlaufen einen Filter, doch dieser Filter duldet einen kleinen Anteil nicht konformer Erträge. Fast alle grossen Unternehmen erhalten Zinsen auf ihrer Liquidität, und viele haben eine Nebentätigkeit, die den Filter für sich allein genommen nicht bestehen würde. Die Gelehrten haben diese Anlagen zugelassen, sofern die Anlegerin oder der Anleger den Teil des Gewinns, der aus diesen Erträgen stammt, nicht für sich behält. Das ist der Sinn der Reinigung.
Dieser Ratgeber erklärt, was zu reinigen ist, wie Sie Dividenden reinigen, wenn Sie eine Aktie oder einen Halal-ETF halten, wem der Betrag zukommt und wie sich die Reinigung zu den Steuern in der Schweiz verhält.
Warum Dividenden reinigen, die schon gefiltert sind?
Der Filter entscheidet, ob ein Unternehmen gehalten werden darf. Er macht nicht jeden Franken erlaubt, den es verdient. Der AAOIFI-Standard Nr. 21 über Finanzpapiere lässt den Kauf von Aktien von Unternehmen zu, deren nicht konforme Erträge unter 5 % der Gesamterträge bleiben, sofern der entsprechende Anteil ausgeschieden wird. Die islamischen Indizes folgen derselben Logik: Eine Halal-Aktie kann 1 %, 3 % oder 4 % Zinserträge aufweisen, und der Aktionär erhält mit seiner Dividende einen Bruchteil davon.
Die Reinigung ist also weder eine Strafe noch ein Almosen. Sie entfernt einen Ertrag, der Ihnen nicht zusteht, so wie man einen Betrag zurückgibt, den man irrtümlich erhalten hat. Aus diesem Grund verlangen die meisten Gelehrten, sie nicht zur Zakat zu zählen und keine Belohnung dafür zu erwarten.
Was genau ist zu reinigen?
- Die Dividenden. Sie sind der Hauptgegenstand der Reinigung: Zu reinigen ist der Teil der Dividende, der den nicht konformen Erträgen des Unternehmens entspricht, und zwar bei jeder Dividende, die Sie erhalten.
- Direkt erhaltene Zinsen. Zinsen auf einem Bankkonto oder einem Wertschriftendepot werden vollständig gereinigt, nicht anteilig. Die Methode beschreibt unser Ratgeber zu Bankzinsen.
- Der Gewinn beim Verkauf. Hier gehen die Ansichten auseinander. Ein Teil der Gelehrten verlangt die Reinigung nur auf den Dividenden, weil der Kapitalgewinn aus dem Anstieg des Kurses stammt und nicht aus einem vereinnahmten Ertrag. Andere empfehlen sie aus Vorsicht auch auf dem Gewinn. Am einfachsten ist es, der Ansicht Ihrer religiösen Ansprechperson zu folgen und von Jahr zu Jahr dabei zu bleiben.
Wie berechnet man die Reinigung einer Aktie?
Die verbreitetste Methode multipliziert die erhaltene Dividende mit dem Anteil der nicht konformen Erträge an den Erträgen des Unternehmens:
zu reinigender Betrag = erhaltene Bruttodividende × (nicht konforme Erträge ÷ Gesamterträge)
Beide Zahlen stehen im Geschäftsbericht. Die nicht konformen Erträge sind vor allem die Zinserträge, die in der Erfolgsrechnung oft «Finanzertrag» oder interest income heissen. Dazu kommt der Umsatz einer allfälligen Tätigkeit, die ausgeschlossen ist. Die Gesamterträge sind der Umsatz und die übrigen Erträge.
Ein fiktives Beispiel: Ein Unternehmen erzielt 20 Milliarden Umsatz und 300 Millionen Zinserträge. Der nicht konforme Anteil beträgt 300 ÷ 20'300, also rund 1,5 %. Sie erhalten eine Bruttodividende von 480 CHF und reinigen davon 480 × 1,5 % = 7,20 CHF.
Eine zweite Methode berechnet einen Betrag pro Aktie (nicht konforme Erträge ÷ Anzahl Aktien) und multipliziert ihn mit der Anzahl Aktien, die Sie während des Geschäftsjahres gehalten haben. Sie ergibt einen höheren Betrag, wenn das Unternehmen wenig Dividende ausschüttet, und lässt sich auch auf Unternehmen anwenden, die gar keine Dividende zahlen. Welche Methode Sie auch wählen, behalten Sie sie von Jahr zu Jahr bei.
Wie berechnet man die Reinigung eines Halal-ETF?
Bei einem Fonds, der Hunderte von Unternehmen hält, ist es nicht realistisch, die Berechnung Position für Position zu wiederholen. Man verwendet stattdessen eine Reinigungsquote für das gesamte Portfolio: den Durchschnitt der nicht konformen Ertragsanteile aller Unternehmen, gewichtet nach dem Gewicht jedes Unternehmens im Fonds.
zu reinigender Betrag = Dividenden des Fonds, die auf Ihre Anteile entfallen × Reinigungsquote
Bevor Sie etwas berechnen, prüfen Sie, ob der Fonds bereits selbst reinigt. Seit 2026 tun dies mehrere Anbieter:
| Anbieter | Wer reinigt die Dividenden? |
|---|---|
| iShares (islamische Aktienfonds) | Der Fonds, seit dem 1. Januar 2026: Der unreine Teil der Dividenden, von MSCI berechnet, wird an Hilfswerke gespendet, die das Scharia-Gremium des Fonds genehmigt (Prospekt von iShares II plc, September 2026). |
| HSBC (Reihe Islamic Screened) | Der Fonds, einmal pro Jahr: Der nicht zulässige Ertrag, vom Indexanbieter berechnet, wird an Hilfswerke gespendet, die das Scharia-Komitee von HSBC genehmigt. |
| Invesco Dow Jones Islamic (thesaurierende Anteilsklasse) | Sie: Laut Fondsnachtrag werden thesaurierte Erträge im Fonds nicht gereinigt. |
| Wahed (S&P 500 Shariah, Dow Jones Islamic World) | Sie: Der Verwalter veröffentlicht jedes Jahr auf seiner Website den zu reinigenden Betrag pro Anteil. |
| Saturna Al-Kawthar (AMAL) | Sie: Der Fonds berechnet den zu reinigenden Betrag und nennt ihn im Jahresbericht. |
Für den Invesco MSCI ACWI Islamic M-Series und die Sukuk-Fonds von HSBC und Xtrackers liess sich die Handhabung nicht überprüfen: Fragen Sie beim Anbieter nach.
Wenn der Fonds bereits reinigt, müssen Sie auf den Dividenden nichts hinzufügen. Andernfalls verwenden Sie den Betrag pro Anteil oder die Quote, die der Fondsanbieter oder der Indexanbieter veröffentlicht.
Ein fiktives Beispiel: 15'000 CHF in einem ausschüttenden Halal-ETF, der 1,4 % pro Jahr ausschüttet, also 210 CHF. Bei einer Reinigungsquote von 2,5 % geben Sie 5,25 CHF weiter. Bei einem thesaurierenden Fonds nehmen Sie den reinvestierten Ertrag pro Anteil, den die Kursliste ICTax der Eidgenössischen Steuerverwaltung angibt, und multiplizieren ihn mit der Anzahl Ihrer Anteile: Es ist derselbe Ertrag, er wird nur nicht ausbezahlt. Wie die Indizes funktionieren, zeigt unser Ratgeber zu Halal-ETF.
Wem gibt man den Betrag, und wann?
Der gereinigte Betrag geht an ein Hilfswerk oder an ein Projekt im Allgemeininteresse: Hilfe für Bedürftige, Gesundheit, Bildung. Er darf weder direkt noch indirekt der Person zugutekommen, die reinigt. Die meisten Gelehrten schliessen auch aus, ihn für die eigenen Steuern oder die eigenen Bankgebühren zu verwenden.
Am einfachsten ist ein jährlicher Rhythmus: Sobald der Steuerauszug der Bank vorliegt, zählt man die Dividenden des Jahres zusammen, wendet die Quoten an und leistet eine einzige Zahlung. Unser Reinigungsrechner erledigt diese Berechnung für jede Position des Portfolios. Die Reinigung ersetzt die Zakat nicht, die separat berechnet wird; mehr dazu in unserem Ratgeber zur Zakat auf Investitionen.
Dividenden reinigen und Schweizer Steuern
Für die Steuerbehörde bleibt eine gereinigte Dividende eine Dividende. Sie deklarieren den erhaltenen Bruttobetrag als Einkommen, und die Verrechnungssteuer von 35 %, die auf Schweizer Dividenden abgezogen wird, erhalten Sie wie gewohnt über die Steuererklärung zurück. Die Reinigung senkt das steuerbare Einkommen nicht.
Die Spende selbst kann abziehbar sein, wenn sie an eine Institution geht, die wegen ihres gemeinnützigen Zwecks von der Steuerpflicht befreit ist: Art. 33a des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer lässt solche Spenden ab 100 Franken pro Jahr und bis zu 20 % des Reineinkommens zum Abzug zu, und die Kantone haben vergleichbare Regeln. Manche Gelehrte sind der Meinung, dass man aus dem gereinigten Betrag keinerlei Vorteil ziehen darf, auch keinen steuerlichen; andere sehen darin kein Hindernis. Folgen Sie auch hier der Ansicht Ihrer religiösen Ansprechperson.
Die häufigsten Fehler
Die Nettodividende statt der Bruttodividende reinigen
Der nicht konforme Ertrag hängt an der Dividende, die das Unternehmen vor Abzug der Quellensteuer auszahlt. Wer auf dem Nettobetrag rechnet, also nach Verrechnungssteuer oder ausländischer Quellensteuer, unterschätzt die Reinigung um 15 bis 35 %.
Thesaurierende Fonds vergessen
Wenn der Fonds seine Dividenden reinvestiert, erscheint nichts auf dem Konto. Der Ertrag existiert trotzdem und wird sogar besteuert: Auch die Reinigung bleibt geschuldet.
Reinigung und Zakat vermischen
Die Zakat ist eine Pflicht auf erlaubtem Vermögen; die Reinigung entfernt einen Ertrag, der nicht erlaubt ist. Wer das eine im anderen mitzählt, zahlt weniger, als er schuldet.
Jedes Jahr die Methode wechseln
Wer je nach dem tieferen Ergebnis zwischen der Methode pro Dividende und der Methode pro Aktie wechselt, nimmt der Berechnung ihren Sinn. Wählen Sie eine Methode und bleiben Sie dabei.
Dieser Inhalt dient Bildungszwecken und stellt keine Fatwa dar: Da bei Konformitätsfragen Unterschiede zwischen den Rechtsschulen bestehen, obliegt es jeder Person, sich für ihre Situation an eine zuständige religiöse Autorität zu wenden. Er stellt ebenso wenig eine Steuerberatung oder eine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG dar.